Herzrhythmusstörungen
Übersicht zu den Themen
01.
Was sind Herzrhythmusstörungen?
02.
Wie funktioniert das Herz?
03.
Wie werden Herzrhythmusstörungen unterschieden?
04.
Wie entstehen Herzrhythmusstörungen?
05.
Welche Beschwerden spürt man bei Herzrhythmusstörungen?
06.
Welche Untersuchungen werden für die Diagnose benötigt?
07.
Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?
08.
Prognose und allgemeine Komplikationen
01. Was sind Herzrhythmusstörungen?
Das Herz schlägt täglich etwa 100.000 Mal - gelegentlich kommt es dabei aus dem Takt. Herzrhythmusstörungen sind Unregelmäßigkeiten des normalen Herzschlags in Form von Geschwindigkeitsänderungen, kurzen Unterbrechungen oder zusätzlichen Herzschlägen.
Erzeugt wird der Herzrhythmus durch körpereigene elektrische Impulse: vom Sinusknoten im Vorhof des Herzens werden die Impulse zum AV-Knoten (Atrioventrikularknoten) am Übergang von Vorhof zur Herzkammer geleitet. Von dort wird der Impuls über verschiedene Reizleitungsbahnen in die Herzkammer geleitet und das Herz zieht sich zusammen. Auf diese Weise wird das Blut durch den Körper gepumpt.
In diesem komplexen System kann die Stromleitung an jeder Stelle verändert oder unterbrochen sein. Die Erregung der Herzmuskulatur kommt dann aus dem Rhythmus, man spricht von Herzrhythmusstörungen.
Jeder Gesunde hat in seinem Leben gelegentlich Herzrhythmusstörungen. Obwohl sie von manchen Menschen als sehr bedrohlich empfunden werden, sind sie meist harmlos. Trotzdem müssen Herzrhythmusstörungen ärztlich abgeklärt werden.
02. Wie funktioniert das Herz?
Zum besseren Verständnis von Herzrhythmusstörungen ist eine Kenntnis über den Aufbau und die Funktionsweise des Herzens erforderlich:
Das Herz ist ein muskuläres Hohlorgan mit der Aufgabe, durch wechselndes Zusammenziehen (Kontraktion) und Erschlaffung des Herzmuskels den Blutstrom in den Gefäßen in Bewegung zu halten. Dadurch werden den Organen wichtige Nährstoffe zugeführt.
Umgeben vom Herzbeutel liegt das Herz auf dem Zwerchfell und zwischen den Lungen. Durch die Herzscheidewand wird es in eine linke und rechte Hälfte unterteilt, jede Hälfte in eine obere, muskelschwächere Abteilung (Vorhof, lat. atrium) und eine untere, muskelstärkere (Kammer, Ventrikel).
Das Herz besitzt vier Klappen, die alle eine Ventilfunktion haben: Mitralklappe, Aortenklappe, Pulmonalklappe und Trikuspidalklappe. Der Herzmuskel selbst wird über die Herzkranzgefäße (Koronararterien) ernährt.
03. Wie werden Herzrhythmusstörungen unterschieden?
Bei einem Herzgesunden beträgt die Herzfrequenz zwischen 60 und 80 Schläge pro Minute, und sie erfolgen in regelmäßigen Abständen. Unter Herzrhythmusstörungen werden folgende Abweichungen subsumiert:
- Tachykardie: Steigerung des Pulsschlags (Herzfrequenz) auf über 100 pro Minute
- Bradykardie: Abfall der Pulsschlags unter 50 pro Minute
- Arrhythmie: Unregelmäßigkeit des Herzschlags
- Extrasystolen (Extraschläge): plötzlich auftretender Herzschlag, der außerhalb des regelmäßigen Grundrhythmus liegt. Diese zusätzlichen Herzschläge können vor oder nach dem Grundrhythmus auftreten und sich durch einzelne Schläge oder mehrere, auch gehäufte Schläge äußern. Sie können zu einem unregelmäßigen Herzschlag führen. Vom Patienten werden sie als Herzstolpern empfunden. Diese nicht unbedingt beunruhigenden Unregelmäßigkeiten treten bei Herzgesunden als auch bei Herzkranken auf.
Die Herzrhythmusstörungen werden außerdem nach dem Ort der Entstehung unterteilt. Zum einen können sie in den Zentren, in den Vorhöfen oder in den Kammern entstehen.
Bei Sportlern ist ein Ruhepuls unter 50 Schlägen pro Minute häufig zu finden, Babys dagegen haben in Ruhe einen sehr schnellen Puls.
04. Wie entstehen Herzrhythmusstörungen?
Eine Unterbrechung oder Blockierung in der Stromleitung führt zu Herzrhythmusstörungen. Ursachen hierfür können folgende Herzerkrankungen sein:
- Herzkranzgefäßverkalkung
- Herzinfarkt
- Herzversagen
- Herzklappenfehler
- Herzmuskelentzündung
Auch Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktionen, bestimmte Medikamente, Störungen des Mineralhaushaltes (Elektrolyte) des Blutes, angeborene Veränderungen im Herzen oder Drogen wie Kokain verursachen Herzrhythmusstörungen.
05. Welche Beschwerden spürt man bei Herzrhythmusstörungen?
Während einige Menschen Herzrhythmusstörungen als sehr bedrohlich erfahren, nehmen andere diese nicht einmal wahr. Folgende Beschwerden können auftreten:
- Spürbar zu langsamer, zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
- Schwindel
- Allgemeine Leistungsschwäche
- Angst, innere Unruhe
- Schmerzen hinter dem Brustbein
- Luftnot
- Schweißausbrüche
- Bewusstlosigkeit
- Herzstillstand
06. Welche Untersuchungen werden für die Diagnose benötigt?
In erster Linie werden Veränderungen am Herzen durch den Puls wahrgenommen. Am besten geeignet für die Registrierung von Herzrhythmusstörungen sind die Anfertigung eines Ruhe-EKGs, eines Belastungs-EKGs oder auch eines Langzeit-EKGs (EKG-Aufzeichnung über 18 bis 24 Stunden).
Auch Laboruntersuchungen zum Ausschluss von Elektrolytstörungen, von Stoffwechselstörungen oder die Bestimmung eines Medikamentenspiegels werden durchgeführt. In manchen Fällen wird auch eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Dabei versucht der Arzt während einer Herzkatheteruntersuchung, Herzrhythmusstörungen künstlich auszulösen, um die Art, den Entstehungsort und die Wirksamkeit von Medikamenten zu überprüfen.
07. Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?
Die Behandlung der Herzrhythmusstörungen hängt von der Ursache ab. Bei einer bestehenden Grundkrankheit wie Schilddrüsenerkrankung, Herzkranzgefäßverkalkung oder Herzschwäche wird diese entsprechend behandelt.
Wenn keine weitere Herzerkrankung, insbesondere keine Herzschwäche vorliegt, ist es meistens nicht nötig, die Herzrhythmusstörungen zu behandeln. Ist jedoch die Herzfunktion durch weitere Herzerkrankungen stark eingeschränkt, kann neben der Behandlung der Grunderkrankung auch die Behandlung der Herzrhythmusstörungen sinnvoll sein.
Als Medikamente stehen Betablocker, Kalziumantagonisten, Herzglykoside (Digitalis) und spezielle Antiarrhythmika zur Verfügung. Oftmals wird der therapeutische Effekt eines Medikaments durch ein 24-Stunden-Langzeit-EKG innerhalb der ersten drei bis fünf Tage kontrolliert. Da viele Medikamente selbst Herzrhythmusstörungen auslösen können, ist es wichtig, Nutzen und Risiken abzuwägen.
Manchmal kann auch eine Operation notwendig werden.
- Schrittmacher: Bei zu langsamen Herzschlag, einer Sinusknoten-Dysfunktion oder einem Herzblock wird ein Schrittmacher eingepflanzt. Ein etwa fünf Markstück großes Gerät wird unter das Schlüsselbein implantiert, von dort führt ein Draht zum Herzen. Schlägt das Herz zu langsam, werden über diesen Draht elektrische Impulse geleitet.
- AICD (Automatischer implantierbarer Cardioverter/Defibrillator): Dieses Gerät wird bei ventrikulären Tachykardien eingesetzt. Es wird wie ein Schrittmacher platziert, ein bis zwei Drähte führen in die Herzkammer. Wenn das Gerät eine gefährliche Rhythmusstörung bemerkt, gibt es einen Elektroschock ab. So wird der Herzschlag wieder normalisiert.
- Katheterablation: Verschiedene Herzrhythmusstörungen wie Tachykardien aus den Vorhöfen (supraventrikulär) oder eine besondere Form der Vorhof-Rhythmusstörung (WPW-Syndrom) lassen sich mittels einer Katheterablation behandelt werden. Dabei werden über einen Herzkatheter Gewebestellen am Herzmuskel durch Stromschläge zerstört, die als Ursache für die Arrhythmie in Frage kommen. In manchen Fällen muss danach ein künstlicher Herzschrittmacher eingesetzt werden.
- Operation: Bereiche des Herzmuskels, die Rhythmusstörungen auslösen, lassen sich auch chirurgisch entfernen. Durch die erfolgreiche Entwicklung der Katheterablation ist die Rhythmus-Chirurgie jedoch nahezu in den Hintergrund getreten. Manchmal ist bei Vorhofflimmern eine Labyrinth-Chirurgie (maze-Chirurgie) hilfreich. Dabei werden viele kleine Einschnitte in den Vorhöfen gesetzt. Dieses Einschnitt-Labyrinth soll einen Weg für den elektrischen Impuls bahnen.
08. Prognose und allgemeine Komplikationen
Häufig sind Herzrhythmusstörungen harmlos, auch wenn sie von manchen Betroffenen als sehr bedrohlich empfunden werden. Treten Herzrhythmusstörungen allerdings in Zusammenhang mit anderen Herzerkrankungen auf, kann es in einigen Fällen zum plötzlichen Herztod kommen.
Bei einigen Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) kommt es zu einer Bildung von Blutgerinnseln im Herzen. Diese können dann mit dem Blut in Gefäße geschwemmt werden; es kommt zum Gefäßverschluss.